Koranforschung - eine politische Philologie? (eBook)

Bibel, Koran und Islamentstehung im Spiegel spätantiker Textpolitik und moderner Philologie
Artikelnummer: 978-3-11-033927-7
Einband: PDF
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Der Koran ist noch immer nicht Teil des europäischen Wissenskanons, obwohl er tief in der biblischen Tradition verwurzelt ist. Er gilt weithin noch als exklusiv islamischer Text. Die kritische Bewertung seiner Beziehung zur Bibel und damit zur europäischen Tradition setzt seine Einbettung in die ‒ auch für das spätere Europa formative ? spätantike Kultur voraus, in die er sich theologisch innovativ einbrachte. Die großen Fragen der Zeit wurden nicht nur von Rabbinen und Kirchenvätern, sondern auch von der koranischen Gemeinde debattiert. Ihre besonderen Antworten verdienen daher als Beiträge zu einer neuen, sich intensiv in die laufenden Religionsdebatten einbringenden Theologie Beachtung. Die sich dabei abzeichnende Fokussierung des gesprochenen Wortes als der maßgeblichen Manifestation Gottes in der Welt kann nicht außerhalb des besonderen kulturellen Umfelds gesehen werden, in dem lokale Dichtung der arabischen Hochsprache bereits eine besondere Aura verliehen hatte. Der neue Blick auf den Koran erfordert jedoch gleichzeitig eine kritische Neureflektion unserer modernen ? nie ganz unpolitischen ? Philologien. Der Blick muss frei werden für die Textpolitik des Koran, die den Prozess der Islamentstehung am ehesten erkennbar macht.

Der Koran ist noch immer nicht Teil des europäischen Wissenskanons, obwohl er tief in der biblischen Tradition verwurzelt ist. Er gilt weithin noch als exklusiv islamischer Text. Die kritische Bewertung seiner Beziehung zur Bibel und damit zur europäischen Tradition setzt seine Einbettung in die ‒ auch für das spätere Europa formative ? spätantike Kultur voraus, in die er sich theologisch innovativ einbrachte. Die großen Fragen der Zeit wurden nicht nur von Rabbinen und Kirchenvätern, sondern auch von der koranischen Gemeinde debattiert. Ihre besonderen Antworten verdienen daher als Beiträge zu einer neuen, sich intensiv in die laufenden Religionsdebatten einbringenden Theologie Beachtung. Die sich dabei abzeichnende Fokussierung des gesprochenen Wortes als der maßgeblichen Manifestation Gottes in der Welt kann nicht außerhalb des besonderen kulturellen Umfelds gesehen werden, in dem lokale Dichtung der arabischen Hochsprache bereits eine besondere Aura verliehen hatte. Der neue Blick auf den Koran erfordert jedoch gleichzeitig eine kritische Neureflektion unserer modernen ? nie ganz unpolitischen ? Philologien. Der Blick muss frei werden für die Textpolitik des Koran, die den Prozess der Islamentstehung am ehesten erkennbar macht.

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VerlagDe Gruyter
EinbandPDF
Erscheinungsjahr2014
Seitenangabe137 S.
AusgabekennzeichenDeutsch
Auflage14001 A. 1. Auflage
PlattformPDF
ReiheLitterae et Theologia
AutorNeuwirth, Angelika

Alle Bände der Reihe "Litterae et Theologia"

Über den Autor Angelika Neuwirth

Angelika Neuwirth, Dr. phil., Dr. h.c., geb. 1943, Studium der persischen Sprache und Literatur in Teheran, der Semitistik, Arabistik und Klassischen Philologie in Göttingen und der Arabistik und Islamwissenschaft in Jerusalem und München, 1977-1983 Gastprofessorin an der University of Jordan, 1983-1986 Heisenberg-Professorin in München, 1986-1991 Fiebinger Professorin an der Universität Bamberg, 1991-2014 Professorin für Arabistik an der Freien Universität Berlin, 1994-1999 Leiterin des Orient-Instituts der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft in Beirut und Istanbul, seit 2007 Leiterin des Forschungsprojekts Corpus Coranicum an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Mouhanad Khorchide, Prof. Dr., geb. 1971 in Beirut, aufgewachsen in Saudi-Arabien, studierte Islamische Theologie und Soziologie in Beirut und Wien. Seit 2010 Professor für Islamische Religionspädagogik sowie Professor für Koran und Koranexegese an der Universität Münster und dort inzwischen Gründungsdekan der Islamisch-theologischen Fakultät. Dirk Hartwig ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er gehört zur Arbeitsgruppe im Projekt "Historisch-kritischer Korankommentar unter Berücksichtigung von Aneignungs-, Transformations- und Abgrenzungsprozessen zwischen islamischen und nicht-islamischen Texten". Seine Forschungsschwerpunkte umfassen den Koran, Koranphilologie, Koranforschung, Wissenschaftsgeschichte der Koran- und Islamforschung in Europa sowie die klassische und zeitgenössische Koranexegese.

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